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Ich weiß, das ich 1949 als Mädchen geboren wurde und bis 1979 die Transsexualität durchlebte. Mein Leben verläuft seit der
Operation 1979 so geregelt und normal, wie ich es mir immer gewünscht habe. Die Vergangenheit in ihrer Intensität der
Hoffnungslosigkeit wieder aufleben zu lassen, ist nicht mehr möglich. Deshalb greife ich auf mein Tagebuch, begonnen am
6.Februar 1974, zurück. So deutlich, wie ich das erleben meiner Transsexualität darin beschrieben habe, kann ich es zum
heutigen Zeitpunkt nicht mehr formulieren.
Es ist auch bezeichnend, daß das Tagebuch am 22. April 1980 endet. Der Rest ist eine Nacherzählung. An besagtem Tag erhielt
ich meinen richtigen Paß. Seitdem hatte ich nie mehr das dringende, zwingende Bedürfnis, zu diesem Thema etwas zu schreiben.
Mein Leben wurde normal. Ich habe mich von meiner ersten Frau getrennt, die zweite geheiratet, ein Dauerverhältnis nebenbei
gehabt, wurde geschieden und habe wieder geheiratet. Vielleicht hält diese Ehe für immer. Wenn nicht, ist keineswegs das
Thema Transsexualität schuld, sondern nur ich.
Ich habe das Tagebuch textmäßig nicht verändert, obwohl ich einiges im nachhinein anders formulieren würde. Doch ich will
nicht die um 16 Jahre späteren Gedanken, Erfahrungen und Veränderungen in meinem Meinungsbild hinzufügen. Sie würden das
Bild ganz extrem verfälschen.
Ich habe die Operationen nur im oberen Bereich durchführen lassen - insgesamt sechs. Grund dafür war eine schlampige
Operationstechnik. Bei der Entfernung der Brust sollte man darauf achten, daß sie ein kosmetisch bewanderter Chirurg
durchführt. Am günstigsten ist ein Rundschnitt um die Mamille (Brustwarze), durch den die Brustdrüse und die überflüssige
Haut entfernt wird. Mein erster Operateur war ein Gynäkologe. Ein Großteil der Brustdrüse wurde vergessen, dafür aber ein
Teil des Brustmuskels entfernt. Etliche Quadratzentimeter Haut waren zuviel. Deshalb die vielen Nachoperationen.
Zu den Brustfotos nach der Operation, z.B. Eicher, sollte beim Bestaunen beachtet werden, daß die Patienten auf dem Rücken
liegen; im Stehen sieht das meist ganz anders aus. Bei Aufnahmen kurz nach dem Eingriff - sozusagen noch auf dem Tisch -
sind auch noch keine Hämatome vorhanden.
Ich habe alles erreicht, was ich wollte. Zur Unterstützung nehme ich zur Zeit jeden Monat eine Ampulle Testoviron depot
250mg. Diese Menge ist ausreichend für Körperform und -behaarung. Mein Vollbart wächst und gedeiht. Was mir noch fehlt
- angeblich zur optischen Vervollständigung, oder was auch immer -, darauf habe ich freiwillig verzichtet, und zwar
eingedenk einer nicht entsprechend leistungsfähigen Operationstechnik. Ich sehe nicht ein, daß ich, um meine Umwelt
zu befriedigen und Klischeedenken zu entsprechen, auf meine Sexualität verzichten soll. Das momentane Angebot befriedigt
meine Wünsche und Vorstellungen nicht.
(erschienen 1996)
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