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Zum Anlass der Fachtagung "Zerrissen zwischen zwei Geschlechtern - Transsexualität im Kontext unserer Zeit" hielt die
Autorin diesen Vortrag.Sie beschreibt es als den Versuch, in die philosophischen Abgründe, die sich unversehens öffnen,
einen kleinen neugierigen Blick zu werfen.
Frau Dr. Franz leitet anstelle eines Vorwortes ein:
Oft habe ich mich gefragt, warum Transsexuelle es derart schwer haben, ihren schicksalhaft vorgegebenen Weg zu gehen.
Warum ihnen von sichtlich verwirrten Mitmenschen so viele Steine in den weg gelegt werden, von Menschen, deren Weltbild
- das Weltbild unserer Kultur - offenbar in seinen Fundamenten erschüttert wurde. Die Existenz des Phänomens Transsexualität
ist Realität. Wenn der Einbruch dieser Realität in unser bestehendes Weltbild als derart störend empfunden wird, so kann der
Grund doch wohl nur darin liegen, dass unser Weltbild veränderungsbedürftig ist, besonders unser Verhältnis zu Polaritäten,
zu begrifflichen Gegensätzen. In Zeiten fallender Mauern kann es wohl nur darum gehen, Brücken zwischen den Extremen zu
bauen.
Das Wort "Polarität" leitet sich vom griechischen Wort "polos" ab, welches Wagenachse bedeutet. Ohne Wagenachsen, die an
zwei Punkten aufgehängt sind, kann kein Wagen fahren. Im meinem Referat wollte ich versuchen, in die philosophischen
Abgründe, die sich unversehens öffnen, einen kleinen neugierigen Blick zu werfen. Sie schließt ihre Rede mit dem schönen
Gedanken: Sich noch kindlich wundern können, nicht alles be-herr-schen und manipulieren zu wollen und dieses konstruktive
Nichtwissen bewusst zu erleben, dies alles lässt Platz für Leben und Wachstum.
(erschienen 1985)
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