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Wie fühlt sich ein Junge, der in einem Mädchenkörper leben muss? Felix hat es ausprobiert. Natürlich nicht freiwillig. Er ist transsexuell.
An sich klingt dieser Zustand zwar wie ein Abenteuer oder Märchen, aber für Menschen, die unter dieser Identitätsstörung leiden,
ist es bittere Realität. Die Betroffenen fühlen sich alles andere als wohl in der Rolle, denn sie werden von ihren Mitmenschen nicht
so anerkannt, wie sie wirklich sind.
In diesem Buch erzählt Felix, ein junger Frau-zu-Mann-Transsexueller, der dies alles viele Jahre lang erleben musste,
von seinen Erfahrungen. Nach einer Jugend voller Frust beschließt er kurz nach seinem Geburtstag, sich operieren zu lassen.
Damit beginnt sein langer, mühevoller Weg auf der suche nach Harmonie zwischen Körper und Seele.
Buchbesprechung von Paul: Hier handelt es sich um eine Autobiographie eines FzM-TS, Jahrgang 1968:
Nach einer Kindheit mit flatterhafter Geschlechtsidentität kristallisierte sich mit zwölf Jahren schließlich eindeutig die männliche
Identität heraus, und er ging dazu über, "als Junge zu leben". Seine soziale Umwelt leistete passiven Widerstand. Als Provinz-TS
mangelte es ihm an Informationsmöglichkeiten; er wusste viele Jahre nicht, dass eine Geschlechtsangleichung möglich ist,
geschweige denn, was man dazu tun muss und an wen man sich wenden muss.
Nach einer frustrierenden Jugend und vielen Irrwegen fing er im Alter von 22 Jahren mit der kleinen Lösung an, begann ein paar
Monate später mit der Hormonbehandlung und hatte seine erste OP kurz vor seinem 23. Geburtstag. Er wurde im St. Markus
Krankenhaus in Frankfurt nach der Exner-Technik operiert, ließ sich aber zusätzlich (was bei dieser Technik unüblich ist)
die Harnröhre bis zur Penoidspitze verlängern.
Das Buch beschreibt sehr ausführlich und eindringlich die Erlebnisse dieses Betroffenen im Alltag, die Situationen, in die ein
TS gezwungenermaßen gerät und den Ärger mit den Sackgassen, Begegnungen mit bekannten Persönlichkeiten aus der TS-Szene
inkl. Behandlern, bis hin zu einer eingehenden Beschreibung der Krankenhausaufenthalte.
Das Gute an diesem Buch ist, dass endlich mal ein "ganz normaler" FzM-TS der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Bisher erschienene
biographische TS-Bücher behandeln fast nur den MzF-Transsexualismus, außerdem geraten bei der Gelegenheit (warum auch immer)
überwiegend TS-Exoten die bei der Suche nach ihrer Geschlechtsidentität große Umwege machen, ins Rampenlicht, die dadurch
die Leser eher verwirren als aufklären (z.B. ein FzM-TS der schwanger war.
Welchen Nutzen hat das Buch für die Öffentlichkeit im Allgemeinen und die TS im Besonderen?
Es klärt die Öffentlichkeit auf, was Transsexualität, wie sich ein Betroffener fühlt, was er für Alltagsprobleme hat,
welche Schwierigkeiten er überwinden muss bis er ein halbwegs normaler Mann sein darf und was für ein normaler Mensch
er eigentlich ist. (Ich schätze, dass das Bild von TS bei Ottonormalverbraucher - wenn er überhaupt eins hat - eher in Richtung
Strichertunte tendiert)
Es ist für TS gut geeignet, um seine Angehörigen eingehend über die Problematik auf zuklären.
Neben dem seelischen Beistand, den das Lesen des Lebenslaufes eines anderen Betroffenen, dem es genauso besch...eiden (er)geht,
auslöst, können TS dem Buch auch nützliche Tipps für ihren Weg entnehmen Allerdings ist es nicht als Ratgeber konzipiert und als
Nachschlagewerk ungeeignet.
(erschienen 2001)
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