Transsexueller Weg (TS-Weg)

Eigentlich eine falsche Überschrift. "Den" Weg zum Ziel, euch in eurer wahren Identität zu leben, wird es niemals geben.

Die Wege, die zum ersehnten Ziel führen, sind so vielfältig, wie es Betroffene gibt. Sie werden durch euch, eure Umwelt und durch die bestehenden Behandlungsleitlinien und Gesetze, ganz oben das Transsexuellengesetz (TSG), so wie deren Interpretationen, bestimmt.

Es ist sicherlich eine lange Zeit vergangen, bis man das Wort Transsexualität als Definition der eigenen Gefühle gefunden hat und dann auch noch zu sich selber stehen kann. An diesem Punkt drängt alles in einem danach, die Situation, durch beschreiten des "TS-Weges", am Besten sofort zu ändern.

Seid vorsichtig: Auch wenn ein "roter Faden" in den Lebensläufen der Betroffenen gleich zu sein scheint, es gibt keine Beweise für Transsexualität, sondern nur Hinweise darauf! (Siehe auch Ursachen der Transsexualität)

Wenn ihr euch auf den Weg begebt, sollte dieser Satz euch immer begleiten. Habt euer Ziel im Auge, lasst aber offen, ob ihr es jemals erreichen werdet. Es mag einen Punkt auf dem Weg geben, an dem ihr feststellt, dass ihr gar nicht weitergehen müsst, da ihr eine innere Stimmigkeit erreicht habt, oder dass ihr eventuell die falsche Richtung eingeschlagen habt.

Euer "TS-Weg" soll mit der geschlechtsangleichenden Operation seinen Abschluss finden. Wir wissen, dass es den Transsexualismus in verschiedenen Ausprägungen gibt (siehe Harry Benjamin Skala). Für die einen ist die GA-OP absolut notwendig, andere sind im Zweifel oder haben Angst, weil es auch Gründe gegen eine GA-OP gibt. Übereilt eure Entscheidung nicht. Solltet ihr euch, aus welchen Gründen auch immer, gegen eine Operation entscheiden, seid ihr nicht "weniger" als andere.

Fühlt euch niemals gezwungen, den Weg bis zum Ende "durchmarschieren" zu müssen. Geht kleine Schritte und wachst dabei. Entscheidet immer wieder neu, wann ihr den nächsten Schritt geht und "überholt" euch dabei nicht selbst. Es wird fast wie in eurer "ersten" Pubertät sein. Ihr müsst euch entwickeln. Der Unterschied besteht darin, dass ihr schon, je nach Alter, bereits ein "fertiger" Mensch seid, und "das Echte" in euch in das "neue" Leben mitnehmen könnt und müsst. Der wirkliche Mensch der ihr seid wird sich nicht verändern.

Was ihr euch auch immer bewusst machen müsst: Probleme, die ihr im vorhinein mit eurer Umwelt habt, isb. wie sie euch begegnet, werden auch nach Durchgehen des "TS-Weges" nicht verschwinden (häufig werden sie sogar schlimmer). Was besser werden kann, ist, wie ihr eurer Umwelt begegnen könnt, da ihr zu euch selbst findet.

Ein Weg

Wenn ihr euch eurer Transsexualität bewusst geworden seid (Selbstdiagnose), vertraut euch eurem/r besten Freund/Freundin, der Familie, oder einer Selbsthilfegruppe an. Findet darin einen ersten Halt, eine Basis, von der aus ihr weiter handeln könnt.

Begebt euch in eine psychotherapeutische Begleitung, mit deren Hilfe ihr euch und einen für euch lebbaren Weg finden könnt.

Im Laufe dieser Therapie macht euer Coming Out und begebt euch damit in den sog. Alltagstest. Beginnt euch wirklich zu leben. Dabei müsst ihr aber nicht unbedingt eure Arbeitsstelle mit einbeziehen. Ihr selbst müsst wissen, wann was wo und wie erfolgen kann, niemand sonst.

Wenn ihr die Indikation zur Hormonbehandlung bekommen habt, begebt euch in die Hormonbehandlung unter Aufsicht eines Endokrinologen, Gynäkologen, oder Urologen. Nehmt keine Hormone "schwarz", auch wenn es euch noch so danach drängt.

Mit der Indikation zur Hormonbehandlung ist die Diagnose "transsexuelles Syndrom" gestellt, womit Transfrauen versuchen können, die Kostenübernahme durch die gesetzliche oder private Krankenversicherung zur Epilation der Barthaare zu bekommen.

Wenn ihr dazu bereit seid, begebt euch in den vollständigen Alltagstest, also auch unter Einbeziehung des Arbeitsplatzes. (Siehe auch Arbeitsrecht)

Reicht einen Antrag auf Vornamens- und Personenstandsänderung beim zuständigen Amtsgericht ein und "stellt" euch den Gutachtern. (Siehe auch Einge­tragene Lebens­partner­schaft und Ehe)

Wenn ihr eure Vornamensänderung "durchhabt", beginnt mit der Dokumentenänderung.

Sucht euch einen Arzt zur Durchführung der Geschlechtsangleichenden Operation (GA-OP) (MzF/FzM). Erkundigt euch über die organisatorischen Abläufe, die verschiedenen geschlechts­angleichenden Operations­techniken bei MzF- und FzM-Transsexuellen, die Nachsorge und mögliche Komplikationen.

Habt ihr euren Arzt gefunden, stellt bei eurer Krankenkasse den Antrag auf die GA-OP und macht, spätestens dann, die Erfahrung mit dem MDK, dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (es sei denn, ihr seid privat krankenversichert oder verbeamtet).

Vielleicht habt ihr euch auch Gedanken über eine stimman­gleichende Behandlung und/oder eine Gesichts­feminisierung (Facial Feminization Surgery (FFS)) gemacht.

Wenn ihr "alles hinter euch habt", bitte glaubt nicht, dass jetzt alle Probleme gelöst sind. Es werden neue auftauchen auf die euch niemand vorbereiten kann.

Anmerkung: Haltet die Zeiten, wann ihr was begonnen habt, in einem "transsexuellen Lebenslauf" fest. Diese Chronologie kann z.B. bei den Gutachtern, isb. dem MDK, hilfreich sein, da diese Instanzen der sehr großen Wert auf die Einhaltung der zeitlichen Abläufe nach den Behandlungsleitlinien legen (schließlich passiert auf dem Weg soviel, so dass man sich später nicht mehr genau an alles erinnern kann).