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(..) Warum manche Menschen körperlich das eine und im Kopf das andere Geschlecht besitzen, ist immer noch unklar. 1995 sorgte
eine in "Nature" veröffentlichte Arbeit für Furore. Louis Gooren, Inhaber des ersten Lehrstuhls für Transsexologie an
der freien Universität Amsterdam, fand im Gehirn von sechs Männern, die im Laufe ihres Lebens weiblich geworden
waren, eine anatomische Besonderheit in einem im
Hypothalamus
gelegenen Nervenkern, der für die Geschlechtsentwicklung und Sexualverhalten verantwortlich sein soll. Bei Frauen ist
diese Zellansammlung in der Regel nur halb so groß wie bei Männern. Gooren stellte fest, daß der Nervenknoten bei
den sechs untersuchten Transsexuellen dasselbe Volumen besaß, wie bei gewöhnlichen Frauen. Er folgerte daraus, daß
Geschlechtshormone verantwortlich für die unterschiedliche Größe des Nervenknotens sind. Wenn beispielsweise ein
Überschuß an weiblichen Hormonen auf das Gehirn eines männlichen Embryos einwirke, könne dies zur Folge haben, daß sich
der Junge später als Mädchen fühle.
Louis Gooren stieß mit seiner Arbeit auf Kritik. "Bei einer so kleinen Gruppe von Versuchspersonen erhält man keine
statistisch verwertbaren Ergebnisse", meinte beispielsweise die Müncherner Psychiaterin Dorette Poland, die seit mehr
als zwanzig Jahren Transsexuelle betreut. Der Hormonthese widersprechen außerdem Forschungsergebnisse, die vor kurzem
ebenfalls in "Nature" publiziert wurden. Eric Vilain von der University of California in Los Angeles fand heraus, daß sich
das Gehirn von Mäuseembryonen bereits in weiblich oder männlich differenziert hat, bevor der Körper überhaupt
Geschlechtshormone
produziert. Vilain identifizierte 51 Gene, die für die geschlechtsspezifische Entwicklung des
Gehirns verantwortlich sein sollen. Vermutlich sind einige davon bei Transsexuellen verändert.
Es gibt natürlich nicht nur biomedizinische, sondern auch psychologische Theorien über den Ursprung des Transsexualismus.
Beispielsweise zeigen einige Studien, daß Menschen, die sich mit ihrem Geschlecht nicht identifizieren können,
überdurchschnittlich häufig als Kind schwere Traumata erlitten hatten, etwa Vergewaltigungen oder Mißhandlungen.
Andere Erklärungsversuche gehen von einer übermäßigen Trennungsangst aus.
In einem Punkt sind sich die Forscher zumindest einig: Die Symptome zeigen sich bereits in der frühen Kindheit und
verstärken sich in der Pubertät (...)
(Quelle: FAZ, "Es gibt ein richtiges Leben im falschen" vom 02.05.2004)
Sicher ist, dass Transsexualität keine Erscheinung des 20. Jahrhunderts ist und dass es in allen Gesellschaften und Kulturen Transsexuelle und Transgender gibt.
Zum aktuellen Stand der Forschungen sind sich Experten darüber uneins, ob Transsexualität durch biologische Ursachen erst im Zusammenwirken mit bestimmten
sozialen und psychologischen Umständen entsteht, oder ob biologische Ursachen allein zu einer vom Körper abweichenden Geschlechtsidentität führen (
Körperliche Ursachen der Transsexualität).
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