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TX-Lexikon Begriffserklärung
  TX-Lexikon   Hormonbehandlung, Hormonersatztherapie (HET, HRT)  


 
  Hormonbehandlung (Hormonertsatztherapie - HET / Hormone Replacement Therapy - HRT): Ein einfaches Wort, aber eine Behandlung, die sich Transsexuelle sehnlichst herbeiwünschen. Leider erfolgt dies oft ohne Verfolgung der  Behandlungsleitlinien, was zu Schwierigkeiten mit Psychotherapeuten und den  Gutachtern, isb. dem  MDK, führen kann.

Der Schritt in die Hormonbehandlung wird oft als der wichtigste Schritt auf dem TS-Weg gesehen, da hier bereits Veränderungen eintreten die unumkehrbar sind. Wenn man diesen Weg bis zum Ende geht ist man Zeit seines Lebens auf die Hormoneinnahme angewiesen, da sonst Schäden wie Osteoperose infolge Hormonmangels auftreten werden.

Je nach dem welche Hormone man einnimmt und wie man sie dem Körper zuführt steigen das Tromboserisiko und die Gefahr von Leberwerterhöhung (ist beides nicht lustig). Hierzu muss man allerdings sagen, dass jeder Mensch andere Voraussetzungen für das Verstärken dieser Gefahren hat, wozu einmal genetische Vorbelastungen und auch die Lebensweise (Rauchen, Trinken, Sport) zählen. Schon aus diesem gesundheitlichen Grund sollte die Hormoneinnahme immer unter ärztlicher Kontrolle stattfinden.

Die Hormonbehandlung kann jeder Arzt einleiten (z.B.  Endokrinologe, Gynäkologe und Urologe), wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:
  1. Das Vorliegen einer  Indikation zur Hormonbehandlung durch den Psychotherapeuten
  2. Sicherstellung der  Kostenübernahme durch die gesetzliche oder  private Krankenversicherung
Bevor Ihr mit der Hormoneinnahme beginnt, muss der Arzt Euren  Hormonstatus bestimmen und dokumentieren, da später sonst Schwierigkeiten bei der Kostenübernahme durch die Krankenkassen auftreten können.
 
 


 
  Grundsätzlich hängt die Wirkung der  Hormone von den körpereigenen Rezeptoren und nicht von der verabreichten Menge ab: Viel hilft nicht viel und kann sogar negative Wirkungen haben! Im Fall einer dauerhaften, hohen Dosierung kann die sog. Down-Regulation eintreten, d.h. die vorhandenen Rezeptoren (  endokrines System) verlieren ihre Funktion (Abnahme der Rezeptordichte). "Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist" (Paracelsus 1493 – 1541).

Die Wirkung von Östrogenen in Verbindung mit Antiandrogenen bei MzF-TS:
  • die Körperbehaarung wächst langsamer und die Haare werden feiner
  • die Haut wird dünner, feiner und trockener
  • das Kälteempfinden steigert sich und man friert schneller
  • die Fettverteilung am Körper verlagert sich an Gesäß, Hüfte, Brüsten (Gynäkomastie)und dem Gesicht
  • die Hoden schrumpfen und produzieren keine Spermien mehr (Hodenatrophie)
  • das sexuelle Verlangen geht zurück
  • die Brustwarzen werden größer und sensibler
  • das Appetitempfinden wird grösser
  • der Erschöpfungszustand wird schneller erreicht
  • Wasser kann sich in den Beinen einlagern
  • die Nägel werden brüchiger
Was sich nicht ändert: Der Bartwuchs (  Epilation), fehlende Kopfbehaarung (  Haarausfall), die Stimmlage und der Knochenbau bleiben gleich. Bei der oft berichteten Stimmlagenänderung handelt es sich um ein Phänomen, das durch die gelebte, gewünschte Rolle bereits im Alltagstest auftritt, also psychischer Natur ist.

Die Wirkung von Testosteron bei FzM-TS:
  • die Körperbehaarung nimmt zu und ein Bart beginnt zu wachsen
  • die Haut wird grober und neigt zu Unreinheiten
  • der Stimmbruch setzt ein
  • das Fettverteilung am Körper verlagert sich von der Hüfte zur Taille
  • die Menstruation bleibt aus (Amenorrhö)
  • das sexuelle Verlangen wird stärker
  • die Aggressionsschwelle steigt
  • der Muskelaufbau wird gesteigert
  • die Klitoris wird größer
Was beide gegengeschlechtlichen Hormontherapien gemeinsam haben sind die emotionalen Veränderungen die man durchlebt. Es treten dabei "Achterbahngefühle" auf, die aber nach und nach verschwinden.

Wie Anfangs schon erwähnt, reagiert jeder Körper anders auf die Hormongaben. Was bei dem oder der Einen geschieht, muss nicht zwangsläufig bei anderen auch geschehen.
 
 


 
  Um Hormone einzunehmen gibt es verschiedene Möglichkeiten, die sog. Applikationsformen:

Oral (Tabletten): Transdermal (Pflaster):

Die Hormone sind entweder in einem kleinen Reservoir oder im Leim auf einer dünnen Plastikfolie enthalten und sie gelangen durch die Haut direkt in das Blut.
  • Vorteile: Kein First-Pass Effekt, einfache Handhabung (Wechsel: 1-2mal wöchentlich), kontinuierliche Hormonabgabe
  • Nachteile: Hautreaktionen möglich, Pflaster ist sichtbar und kann sich bei feuchter Haut lösen
Transdermal (Gel):
  • Vorteile: Kein First-Pass Effekt, sehr individuell dosierbar, nicht sichtbar
  • Nachteile: Hautreaktionen möglich, Hormonschwankungen sind grösser als beim Pflaster, nach dem Auftragen muss es einige Minuten trocknen
Intramuskuläre Injektion (Depotspritzen):
  • Vorteil: Kein First-Pass Effekt
  • Nachteile: Dosierung schlecht steuerbar (unnormal hohe Hormonwerte nach Injektion), Injektion etwa alle 3 Wochen (meistens durch einen Arzt), bei Nebenwirkungen kann man das Präparat nicht einfach absetzen
Implantat:

Ein etwa steichholzgrosses Hormonstäbchen aus Kunststoff wird an der Unterseite des Oberarms unter die Haut eingesetzt.
  • Vorteile: Kein First-Pass Effekt, kontinuierliche Hormonabgabe, Wirkdauer min. 12 Monate
  • Nachteil: Einsetzen durch Arzt bei lokaler Anästesie notwendig
 
 
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